Seit die „Übersicht mit KI“ und der „KI-Modus“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar sind, verkaufen Agenturen Pakete unter Namen wie Generative Engine Optimization (GEO) oder Answer Engine Optimization (AEO). Der Kern des Versprechens ist fast immer derselbe: Es gebe jetzt eine zweite, KI-spezifische Optimierungsebene – ein besonderes Schema, eine Textdatei für Sprachmodelle, eine eigene Struktur, ohne die eine Website in KI-Antworten nicht mehr vorkomme.
Google widerspricht dem in der eigenen Entwicklerdokumentation ausdrücklich. Auf der Seite zu KI-Funktionen in der Suche steht wörtlich:
„You don’t need to create new machine readable files, AI text files, or markup to appear in these features. There’s also no special schema.org structured data that you need to add.“
„There are no additional requirements to appear in AI Overviews or AI Mode, nor other special optimizations necessary.“
Auf Deutsch: Es müssen keine neuen maschinenlesbaren Dateien, keine KI-Textdateien und keine zusätzlichen Auszeichnungen erstellt werden. Es gibt kein spezielles schema.org-Markup dafür, und es sind auch keine sonstigen besonderen Optimierungen nötig. Die Seite trägt den Stand 10. Dezember 2025.
Das ist keine Auslegung und kein Gerücht aus einem Branchenforum, sondern die Aussage des Betreibers über sein eigenes Produkt. Wer Ihnen etwas anderes verkauft, verkauft.
Die Voraussetzung ist dieselbe wie für ein normales Suchergebnis
Google beschreibt die Bedingung für eine Verlinkung in KI-Antworten in einem Satz:
„To be eligible to be shown as a supporting link in AI Overviews or AI Mode, a page must be indexed and eligible to be shown in Google Search with a snippet, fulfilling the Search technical requirements. There are no additional technical requirements.“
Eine Seite muss also indexiert sein, mit einem Snippet in der Google-Suche erscheinen dürfen und die technischen Anforderungen erfüllen. Mehr nicht. Wer über die klassische Suche nicht sichtbar ist, wird es über KI-Antworten ebenfalls nicht.
Ein Unterschied betrifft allerdings die Art der Abfrage. Google beschreibt für beide Funktionen ein „query fan-out“-Verfahren: Aus einer Nutzerfrage werden mehrere zusammenhängende Suchanfragen zu Teilaspekten erzeugt, was laut Google zu einer breiteren und vielfältigeren Auswahl an verlinkten Quellen führt als in der klassischen Ergebnisliste.
Für eine Unternehmenswebsite folgt daraus keine neue Technik, sondern eine inhaltliche Konsequenz: Eine Seite, die nur die Hauptfrage beantwortet und alle Anschlussfragen offenlässt, hat weniger Anknüpfungspunkte. Eine Leistungsseite, die auch erklärt, was im Preis enthalten ist, wer Texte und Bilder liefert, wie lange die Umsetzung dauert und was nach der Veröffentlichung passiert, deckt mehrere dieser Teilanfragen ab. Das ist keine KI-Optimierung. Das ist eine vollständige Seite.
Zwei strukturierte Datentypen, die noch verkauft werden, zeigt Google nicht mehr an
Ein handfester Prüfstein für jedes SEO-Angebot: Wenn darin FAQ- oder HowTo-Schema als Sichtbarkeitsmaßnahme auftaucht, ist es nicht auf dem Stand der Google-Dokumentation.
FAQ-Rich-Results sind seit dem 7. Mai 2026 abgeschaltet – für alle Websites. Im Changelog von Google Search Central heißt es zum Eintrag vom 8. Mai 2026: „This feature will no longer appear in Google Search starting May 7, 2026.“ Am 15. Juni 2026 hat Google die Dokumentation zur FAQ-Auszeichnung vollständig entfernt. Bereits seit September 2023 war die Anzeige auf bekannte, autoritative Behörden- und Gesundheitsseiten beschränkt gewesen; seit Mai 2026 gilt auch diese Ausnahme nicht mehr.
FAQPage-Markup ist damit nicht verboten und wird nicht abgestraft. Es bleibt gültiges schema.org, und andere Systeme können es auslesen. Es erzeugt in der Google-Suche aber keine Darstellung mehr. Eine Inhaltsstrategie, deren Begründung „damit bekommen wir das FAQ-Snippet“ lautet, hat seit Mai 2026 kein Ziel mehr.
HowTo ist seit September 2023 tot. Der Changelog-Eintrag vom 14. September 2023 lautet: „Removed the How-to structured data documentation, as this rich result is no longer shown in search results, on both desktop and mobile devices.“ Die Dokumentationsseite existiert seither nicht mehr.
Was in der Google-Galerie strukturierter Daten weiterhin geführt wird und für eine Unternehmenswebsite in Frage kommt, ist überschaubar: Article, Breadcrumb, Event, Job posting, Local business, Organization, Product, Profile page, Review snippet und Video. Für die meisten mittelständischen Websites sind das Organization, Local business und Breadcrumb – dazu Article im Blog und Job posting, wenn Stellen ausgeschrieben werden.
Google nennt in seinen Empfehlungen zu KI-Funktionen dazu eine Bedingung, die häufig verletzt wird: Strukturierte Daten müssen zum sichtbaren Text der Seite passen. Ausgezeichnete Angaben, die auf der Seite selbst nicht stehen, sind kein Vorteil, sondern ein Risiko.
llms.txt ist ein Vorschlag, kein Standard – und Google Search liest sie nicht
Die Datei llms.txt taucht in GEO-Angeboten regelmäßig als Pflichtmaßnahme auf. Der Sachstand ist nüchterner: Sie ist ein Vorschlag von Jeremy Howard aus dem September 2024, der sich selbst als „a proposal to standardise on using an /llms.txt file“ bezeichnet. Es gibt dazu kein Dokument von W3C oder IETF; es handelt sich um eine Community-Spezifikation, nicht um einen verabschiedeten Standard.
Für die Google-Suche ist die Sache eindeutig: „AI text files“ gehören ausdrücklich zu dem, was laut Google nicht erstellt werden muss. Wer eine llms.txt pflegt, weil andere Werkzeuge sie auslesen oder weil sie als kompakte Übersicht der eigenen Inhalte nützlich ist, tut nichts Falsches. Sie ist aber keine Suchmaschinenmaßnahme, und niemand sollte sie als solche in Rechnung stellen.
Was Google tatsächlich empfiehlt, steht seit Jahren in derselben Liste
Auf derselben Dokumentationsseite nennt Google die Praktiken, die für KI-Funktionen relevant sind. Sie sind identisch mit den Grundlagen der klassischen Suchmaschinenoptimierung:
- Crawling erlauben – in der
robots.txtund ebenso in CDN oder Hosting-Infrastruktur - Inhalte über interne Verlinkung auffindbar machen
- eine gute Seitenerfahrung für Besucher bieten
- wichtige Inhalte in Textform bereitstellen
- Texte durch hochwertige Bilder und Videos unterstützen
- strukturierte Daten mit dem sichtbaren Text in Übereinstimmung halten
- Angaben in Merchant Center und Unternehmensprofil aktuell halten
Der vierte Punkt ist der, an dem in der Praxis am häufigsten etwas schiefgeht. Wenn wesentliche Inhalte erst nach Ausführung von JavaScript entstehen, in Bildern stehen oder hinter Interaktionen liegen, existieren sie für eine Textauswertung praktisch nicht. Das gilt für die klassische Suche wie für KI-Funktionen gleichermaßen.
Die technischen Grundlagen, die davon berührt sind, bleiben unverändert: Abrufbarkeit und Indexierbarkeit, Hauptinhalt im HTML, funktionierende mobile Darstellung, akzeptable Ladezeiten, eindeutige URLs ohne widersprüchliche Varianten, korrekte Weiterleitungen und Canonicals, eine gepflegte Sitemap, sinnvolle Fehlerseiten. Eine Website, die hier Lücken hat, schließt sie nicht durch ein GEO-Plugin. Genau dieser Teil gehört bei uns zur Umsetzung von Unternehmenswebsites mit technischer SEO-Grundlage – nicht als Zusatzpaket, sondern als Voraussetzung.
Generische Texte verlieren ihren Wert, weil Sprachmodelle sie selbst erzeugen können
Wenn ein KI-System eine allgemeine Erklärung selbst formulieren kann, hat eine Seite, die dieselbe allgemeine Erklärung enthält, keinen Grund mehr, zitiert zu werden. Knapp wird alles, was nur im Unternehmen selbst vorliegt:
- konkrete Leistungsumfänge und Preisrahmen statt „individuelle Lösungen“
- der tatsächliche Ablauf mit Schritten, Beteiligten und Dauer
- die Voraussetzungen, die der Kunde erfüllen oder liefern muss
- Grenzen des Angebots und Fälle, die man ausdrücklich nicht übernimmt
- regionale Besonderheiten mit echtem Bezug
- eigene Bilder, Screenshots und Arbeitsbeispiele statt Stockfotos
- benannte Ansprechpartner statt „unser Team“
Ein Satz wie „Wir bieten Qualität, Zuverlässigkeit und individuelle Lösungen“ unterscheidet kein Unternehmen vom nächsten und ist für eine zusammenfassende Antwort wertlos. Eine genaue Beschreibung, welche Informationen für ein Angebot benötigt werden und welche Probleme dabei typischerweise auftreten, ist es nicht.
Umgekehrt gilt: Erfundene Kundenstimmen, nicht belegbare Kennzahlen und generierte Fallstudien sind keine Abkürzung. Sie sind überprüfbar falsch, und der Schaden trifft die Glaubwürdigkeit des Unternehmens, nicht die Suchmaschine. Wer keine Referenzen veröffentlichen darf, kann stattdessen anonymisierte Abläufe, typische Fehlerbilder und eigene fachliche Einschätzungen zeigen.
Lokale Sichtbarkeit ist nicht dasselbe Thema, aber dasselbe Budget
Für Unternehmen mit regionalem Einzugsgebiet konkurriert die lokale Auffindbarkeit inzwischen mit KI-Themen um Aufmerksamkeit – meist zu Unrecht. Das Unternehmensprofil aktuell zu halten steht in Googles eigener Empfehlungsliste für KI-Funktionen, und LocalBusiness gehört zu den Auszeichnungen, die weiterhin Rich Results erzeugen.
Wirksam sind dieselben Punkte wie vor der generativen Suche: ein vollständiges Google-Unternehmensprofil, überall identische Kontaktdaten, korrekte Öffnungszeiten, echte Bewertungen, eine klare Beschreibung von Leistungen und Einzugsgebiet sowie aktuelle Bilder. Dutzende fast identische Ortsseiten mit ausgetauschtem Städtenamen gehören nicht dazu. Eine regionale Seite trägt nur dann, wenn sie erklärt, was das Unternehmen in dieser Region tatsächlich tut und wie die Leistung dort erbracht wird.
Die Messung wird ungenauer, und niemand kann das ändern
Ein Punkt, den seriöse Angebote offenlegen sollten: Google weist die Leistung aus KI-Funktionen in der Search Console nicht gesondert aus. In der Dokumentation heißt es, Seiten, die in KI-Funktionen wie AI Overviews und AI Mode erscheinen, seien im gesamten Suchtraffic enthalten und würden im Leistungsbericht innerhalb des Suchtyps „Web“ berichtet.
Daraus folgt zweierlei. Erstens lässt sich der Anteil, den KI-Antworten an Impressionen und Klicks haben, mit den offiziellen Werkzeugen nicht isolieren. Zweitens kann niemand seriös eine „AI-Overviews-Sichtbarkeit“ als Kennzahl garantieren oder abrechnen, für die es keine Datenquelle gibt. Wenn ein Angebot eine solche Zahl verspricht, ist die berechtigte Rückfrage: aus welcher Messung?
Google selbst gibt an, Klicks von Ergebnisseiten mit AI Overviews seien qualitativ hochwertiger, weil Nutzer mehr Zeit auf der Website verbrächten. Zugrunde liegende Zahlen veröffentlicht Google dazu nicht – die Aussage ist als Herstellerangabe zu behandeln.
Praktisch bedeutet das eine Verschiebung weg von Rankings hin zu Ergebnissen, die im eigenen Haus messbar sind: qualifizierte Anfragen, Anrufe, Terminbuchungen, ausgefüllte Kontaktformulare, wiederkehrende Besucher und die Frage, welche Landingpages diese Abschlüsse erzeugen. Weniger Besucher mit konkretem Bedarf können wirtschaftlich mehr wert sein als mehr Besucher ohne.
Was jetzt konkret zu tun ist
- Technische Fehler beheben – Indexierbarkeit, Hauptinhalt im HTML, mobile Darstellung, Ladezeiten, Weiterleitungen.
- FAQ- und HowTo-Schema aus Konzepten und Angeboten streichen; vorhandenes FAQPage-Markup darf bleiben, zählt aber nicht mehr als Maßnahme.
- Die strukturierten Daten auf die Typen begrenzen, die Google noch anzeigt – und sie mit dem sichtbaren Text abgleichen.
- Die wichtigsten Leistungsseiten vollständig machen: Umfang, Ablauf, Voraussetzungen, Dauer, Preisrahmen, Grenzen.
- Echte Kundenfragen sammeln und im Fließtext beantworten, statt sie in ein FAQ-Modul auszulagern.
- Eigene Bilder, Screenshots und Beispiele einsetzen, technisch sauber eingebunden.
- Google-Unternehmensprofil und Kontaktdaten aktuell halten.
- Auswertung auf Anfragen und Abschlüsse umstellen, nicht auf Ranking-Reports.
- Keine Garantien für Platzierungen in AI Overviews oder AI Mode kaufen – es gibt weder einen Hebel dafür noch eine Messung, die sie belegen könnte.
Die Antwort ist unspektakulär, und das ist die Nachricht
Die Darstellung von Suchergebnissen hat sich verändert, die Anforderungen an eine Website nicht. Eine Seite muss abrufbar, indexierbar und verständlich sein, echte Fragen vollständig beantworten und Informationen enthalten, die es nur bei diesem Unternehmen gibt.
Das ist weniger aufregend als ein neues Kürzel, aber es ist überprüfbar – und es steht so in der Dokumentation des Anbieters, um dessen Suchmaschine es geht.
Handlungsaufruf
Wenn Sie ein GEO- oder AEO-Angebot vorliegen haben, ist die nützlichste Prüfung ein Abgleich mit den unten verlinkten Google-Seiten: Steht dort das Gegenteil, ist die Frage nach der Quelle berechtigt. Wir sehen uns Ihre Website technisch und inhaltlich an und sagen Ihnen, welche Punkte tatsächlich Wirkung haben – auch dann, wenn das Ergebnis „hier ist nichts zu tun“ lautet.
Weiterführend: Websites mit technischer SEO-Grundlage · Laufende Betreuung und Pflege bestehender Websites
Quellenhinweise
- Google Search Central: KI-Funktionen in der Google-Suche und Ihre Website – technische Voraussetzungen und Empfehlungen (Stand 10.12.2025)
- Google Search Central: Changelog – Abkündigung der FAQ-Rich-Results (08.05.2026), Entfernung der Dokumentation (15.06.2026), Entfernung der HowTo-Dokumentation (14.09.2023)
- Google Search Central: Galerie der strukturierten Datentypen mit Rich Results (Stand 15.06.2026)
- Google Search Central: hilfreiche, zuverlässige und primär für Menschen erstellte Inhalte
- Google Search Central: technische Anforderungen und Grundlagen der Google-Suche
- Google Deutschland: Start der „Übersicht mit KI“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Google Deutschland: Start des „KI-Modus“ in der DACH-Region
- llmstxt.org: llms.txt als Vorschlag (Jeremy Howard, September 2024)